'Celtic Fields' – Stiefkinder der Archäologie
Spuren urgeschichtlicher Beackerung in West-, Mittel- und Nordeuropa – Website im Aufbau (fertig: Schleswig-Holstein und (ohne Texte) Dänemark)!

Durch immer bessere, teilweise öffentlich einsehbare Laserdaten erschließen sich immer mehr "Celtic Fields" (sensu lato) in Schleswig-Holstein und Dänemark: kleine abgegrenzte und unter günstigen Bedingungen immer noch erkennbare, tendenziell rechteckige Felder, die dicht an dicht liegen und zusammenhängende Systeme bilden. Man erkennt sie durch ihre Begrenzungen: schwache Wälle oder, in Hanglagen, Terrassenbildungen. Bekannt sind über 1000 Systeme vor allem in Wäldern, in Dänemark auch in noch bestehenden oder aufgeforsteten Heiden, wovon über 50 immer noch mehr als einem Quadratkilometer bedecken – markante Territorien, deren äußere Grenzen einer Dynamik unterlagen und so oft unklar bleiben. In ihrem Verbreitungsgebiet sind sie die bei weitem flächengrößten urgeschichtlichen Bodendenkmale. Andererseits zeichnen sich mancherorts Systemgrößen ab, die wohl nur von einer einzigen Hofstelle bewirtschaftet wurden.


Celtic Fields im Gehege Außelbek bei Ülsby in Angeln. Daten © LVermGeo SH / Celtic Fields in Europa (nach Arnoldussen 2018)

Vor allem auf sandigen Böden scheint mindestens ein Teil der Parzellengrenzen zunächst als schmale Wälle angelegt worden zu sein. Offenbar führte die langjährige Beackerung der Parzellen von sich aus zu einer Aufhöhung und oft auch wachsenden Verbreiterung der Parzellenränder, kombiniert mit einem zunehmend wannenförmigen Querschnitt der Parzellen. Eine Untersuchung eines schwach ausgeprägten Parzellen-Randwalls ergab im Riesewohld in Dithmarschen eine Nutzungsdauer von etwa 600 Jahren; Datierungen in anderen Systemen deuten teilweise eine ähnliche oder noch längere Nutzungsdauer an. Regelhaft findet sich in der durchpflügten Erde der Parzellenränder Reste von Düngerauftrag in Form von stark zerkleinerten Hausabfällen.

 

Links: sog. Pflüger von Arezzo, etruskische Bronzefigurine der Mitte des 1. Jahrt. v. Chr. (Holzsstich, 19. Jh.) – Rechts: Ardformen aus dänischen Mooren in Himmerland (oben Døstrup, unten Vebbestrup) nach Viggo Nielsen / Glob

Die große Typenvielfalt der beobachteten Systeme ist stark von Bodentyp und -relief abhängig und unterscheidet sich demzufolge vor allem in Alt- und Jungmoränenlandschaften. Insgesamt scheint sich eine zeitliche Abfolge von mehr oder weniger quadratischen Parzellen hin zu langrechteckigen Parzellen abzuzeichnen. Während bei ersteren ein kreuzweises Pflügen mit dem Ard (Hakenpflug) gelegentlich nachzuweisen war, dürften extrem lange Parzellen nur noch in eine Richtung, möglicherweise mit einem Schollen wendenden Streichbrettpflug, bearbeitet worden sein. Bei manchen dänischen Systemen scheinen Wölbbeete mittelalterlichen Typs unter Berücksichtigung von Celtic-Fields-Parzellengrenzen angelegt worden zu sein, was eine Teilkontinuität über die "dunklen Jahrhunderte" nach der Völkerwanderung andeutet.

In Hanglagen gehen die Parzellen in Terrassen über. Ostenberg, Stemweder Berge, nordöstliches Westfalen (mit Schnitt). Daten: Land NRW 2017

Weitgehend unklar bleibt, welche Parzellen wie oft und in welchem Umfang brach fielen bzw. von Vieh beweidet wurden. Auf die Art der Parzellenausformung dürfte jedenfalls die Beackerung einen ungleich größeren Einfluss gehabt haben als eine Beweidung. Ein weiteres großes Aufgabenfeld ist die Datierung der Systeme und ihrer Nutzungsdauer. Nach den ersten, im Anzahl und Qualität sicher unzureichenden Daten kann nicht ausgeschlossen werden, dass frühe Celtic Fields bereits in der älteren Bronzezeit angelegt wurden, auch wenn in den gleichzeitigen Häusern noch keine Stallteile nachweisbar sind. Sicher dagegen erscheinen sie in der jüngeren Bronzezeit ab ca. 1000 v. Chr. Mit Beginn der winterlichen Stallhaltung des Viehs, die sich offenbar im Gefolge einer Klimaverschlechterung durchsetzte und in veränderten Hausgrundrissen widerspiegelt, scheint so erstmals ein über Jahrhunderte ortsfester Ackerbau möglich geworden zu sein, der vorherigen Wanderfeldbau ersetzt haben dürfte. Die Stallhaltung führte zur Akkumulation von Streu und Dünger, die dann, zusammen mit Erdmaterial vor allem aus Niederungen zur Erhaltung der Fruchtbarkeit aufgebracht wurden. Das alles ist den agrarischen Umwälzungen am Beginn des Neolithikums durchaus ebenbürtig.


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